Von
ALEXANDER HAST*

Ich muss gestehen, ich liebe Amerika. Ich liebe Amerika, bin Amerikaner und
wie viele meiner Landsleute zur Zeit überaus unglücklich über unsere
Regierung. Kein Land, das George W. Bush nicht beleidigt hätte, kein
Staatsmann, dem er noch Vertrauen einflößen könnte. Es fällt mir schwer zu
verstehen, dass wir Amerikaner nichts unternehmen. Mich fragen viele meiner
Landsleute, warum wir Deutsche nichts gegen Hitler unternommen hätten. Ich
frage mittlerweile zurück, warum wir nichts gegen Bush tun.
Zu diesem Thema gibt es hier viele Ansichten, die wegen Abhörens kaum noch
am Telefon diskutiert werden. Eine Ansicht, die mich in den vergangen Wochen
nachdenklich stimmte, war, dass mir jemand sagte, dass Hitlers Ethik
erheblich besser gewesen sei als die von George W. Bush. Aufgewachsen im
Deutschland der 60er Jahre machte ich erst einmal große Augen. Dann kam die
Erklärung: Hitler - mal alle Schrecklichkeiten für einen Moment außer Acht
gelassen - glaubte wirklich, alles FÜR das deutsche Volk zu tun und damit
etwas Gutes für sein Land zu leisten. George W. Bush habe bisher nichts,
aber auch gar nichts für Amerika getan, sondern ausschließlich seine reichen
Freunde und Drahtzieher im Hintergrund noch reicher gemacht.
Ganz im Gegenteil: Amerika war noch nie so unsicher, so gefährdet und so
gehasst wie heute. George W. Bush, dessen Großvater Prescott Bush bereits
die Nazis mitfinanzierte, hat mehr Terroristen geschaffen als man sich vor
der Jahrhundertwende vorstellen konnte. Dabei werden Tausende von jungen
Amerikanern in einem sinnlosen Angriffskrieg getötet. Die gegenwärtige
US-Regierung versucht derzeit noch einige neue Kriege und Konflikte in der
Welt anzufachen, damit sie und ihre Freunde in der Öl- und Rüstungsindustrie
das große Geld machen, selbst wenn es mal zu einem Regierungswechsel kommen
sollte. Dick Cheneys Halliburton macht Milliarden im Irak und in den
US-Südstaaten, mit mehr als zweifelhaften Leistungen. Allein Dick Cheneys
Firma machte bisher weit mehr Geld als die US-Regierung offiziell als Budget
für Krieg gegen den und Wiederaufbau des Irak veranschlagt hatte. Der
US-Bevölkerung wurde - nach dem Blödsinn mit den angeblichen Waffen Saddams
- auch noch der Betrag von 1,5 Milliarden Dollar als Gesamtkostenpunkt
verkauft.
US Kriegsminister Donald Rumsfeld macht derweil Millionen als Gesellschafter
der Firma, die den Impfstoff gegen die Vogelgrippe produziert, mit der die
US vor einigen Monaten in Panik versetzt wurden. Um den Verkauf noch stärker
anzukurbeln produzierte ein Fernsehsender gar ein Machwerk über die
Vogelgrippe, lachhafterweise ”Dokudrama” genannt, in dessen Ablauf etwa die
Hälfte der US-Bevölkerung ums Leben kommt. Am Ende wurde dann ein Satz
eingeblendet, der besagte, dass die Vogelgrippe bisher noch nicht auf
Menschen übertragen wurde. Die Regierung war begeistert, der Impfstoff
gekauft. Nun kommt aus England ein Film auf den hiesigen Markt, in dem nur
eine Person ums Leben kommt, der derzeitige US-Präsident, der sich wirklich
die gesamte Welt zu Feinden machte. Die US-Regierung ist tief beleidigt. 150
Millionen tote Amerikaner auf einem nationalen Network ließen sie dagegen
kalt.
Dafür ließ Bush vom Fernsehsender ABC, dessen Mutterfirma Disney sich
offenbar bei Bush über die Ablehnung von Michael Moores ”Fahrenheit 9-11”
hinaus beliebt machen wollte, ein weiteres ”Dokudrama” produzieren, diesmal
über 9-11, dessen Wahrheitsgehalt wieder den Tatsachen diametral
entgegenlief. Mitglieder der 9-11-Kommission protestierten und Schauspieler
und neutrale Berater verließen das Projekt, nachdem klar war, dass Bush den
Amerikanern wieder nur Blödsinn auftischen lassen wollte. Hier fällt dem
schwergeprüften Beobachter nur das leuchtende Propagandavorbild des Josef
Goebbels ein, der wiederum kein Vorbild hatte, sondern sich seine Propaganda
selbst einfallen ließ. Wer die Informationspolitik der Bush-Regierung
verstehen möchte, sollte sich den Film ”Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit
dem Hund wedelt” mit Dustin Hoffman und Robert de Niro ansehen, der 1997
zwar Pre-Bush auf Clinton anspielt, aber scheinbar als Leitfaden für
Bush-Regierung diente. Ein weiterer Film, den man sich sogar auf dem
Internet kostenlos downloaden kann, und den man sehen sollte, ist ”Loose
Change 9-11”.
Bush, der Staatsmännern ernsthaft erklärte, Gott habe gewollt, dass er den
Irak angreife, kann wohl kaum erwarten, noch von irgend jemandem ernst
genommen zu werden. Außer von Angela Merkel vielleicht. Oder vielleicht auch
nicht.
Eine weitere Dummheit des US Präsidenten war in jüngster Zeit wohl auch, auf
die Bemerkung von Hugo Chávez vor der UN, Bush sei der Teufel, überhaupt
einzugehen. Statt lächelnd darüber hinweg zu sehen,
sorgte er dafür, dass die staatliche venezuelanische Ölfirma
boykottiert wird. Vielleicht sollte jemand George W.
sagen, dass Venezuela der fünftgrößte Öllieferant der USA ist. Und Hugo
Chávez hat bereits damit gedroht, dass er uns hier in den USA den Hahn
abdreht. Aber Bushs Regierung ist ja so ziemlich komplett im Ölgeschäft -
dann macht das ja alles wieder Sinn. Der Sprit wird wieder teurer und George
W. und seine Freunde werden wieder ein wenig reicher.
Kaum erstaunlich ist, dass viele Amerikaner mit etlichen Bemerkungen von
Chávez übereinstimmen. Der schwarze Schauspieler Danny Glover, bekannt als
Partner von Mel Gibson in den Lethal Weapon-Filmen, erklärte, dass Chávez
sein Freund und Bruder sei und wollte sich einfach nicht von Hugos
umstrittenen Bemerkungen distanzieren. Kritik an Bush muss aber, so will es
das Volk hier, aus dem eigenen Land kommen, und nicht aus Südamerika.
Bekannte von mir (Amerikaner rumänischer Abstammung) haben mir übrigens
allen Ernstes erklärt. dass sie Bush wählten, weil er der Antichrist sei und
die Erde zu einem Ende führen (Armageddon) würde. Das stünde so in der Bibel
und sie wollten dem nicht im Wege stehen. Na dann, Amen.
Wahr ist, dass Kirchen, die gegen den Krieg predigten - und das waren hier
wenig genug - mittlerweile vom Internal Revenue Service, dem hiesigen
Finanzamt, untersucht werden und ihnen die Steuerfreiheit entzogen werden
soll. Wer gegen den Krieg ist, bezieht Stellung gegen den Präsidenten und
das ist dann gleichbedeutend mit politischer Betätigung. Und die wiederum
kostet die Steuerfreiheit. Natürlich nur, wenn es gegen Bush gerichtet sein
könnte. Sonst nicht. Eine demokratische Regierung, die sich öffentlich für
Folter ausspricht, sollte sich eigentlich überhaupt nicht mit einer
christlichen Religion identifizieren dürfen. Armageddon unter Bush -
vielleicht ist die Idee doch nicht so abwegig.
Ein Grund dafür, warum Bush mit seinen Machenschaften so einfach davon kommt
und warum es in den USA zumindest so viele Menschen gibt, die ihn wählen,
dass es zum zweifachen Wahlbetrug reicht, ist die ”Football-These”. Viele
Amerikaner, die sich nicht intensiv mit Politik beschäftigen und von der
Regierung nur mit Fehlinformationen versorgt werden, verstehen einfach
nicht, was wirklich vorgeht. Und sie sehen sich einfach als Teil eines
Fanclubs. Bushs Footballteam muss gewinnen. Kein Schwarz oder Weiß, Gut oder
Böse. Einfach ein Footballteam, das man unterstützt, wie eine
Fußballmannschaft in Deutschland. Man macht sich ja auch keine Gedanken ob
Fortune Düsseldorf oder Bayern München gutes oder Schlechtes tun.
Hauptsache, sie gewinnen. Und das ist - so schwer das auch in Deutschland
vorstellbar ist - scheinbar einer der Gründe für das Überleben dieser
US-Regierung. Dämliche Fanclubs.
Auch die Theorie, dass Bush und seine Freunde ihre Hände in dem Angriff auf
das World Trade Center am 11. September 2001 hatten, wird hier mittlerweile
immer öfter erwähnt. Untersucht wird leider nichts. Die Trivia ist dabei
aber zu verlockend. Der Pilotfilm der ”Lone Gunmen”, die Helfer der Agenten
Dana Scully und Fox Mulder von Akte X, hatte bereits im Mai 2001, also
einige Monate vor dem Terrorangriff den Plot, dass die US-Regierung einen
Jumbo in das World Trade Center fliegen lassen will, um Terroristen zu
beschuldigen und dann einen Krieg im Mittleren Osten anfangen zu können. Das
klingt vertraut. Könnte sich das alles vielleicht wirklich so abgespielt
haben?
Im Pilotfilm verhindern die ”Lone Gunmen” den Angriff. Einige Monate später
leider nicht. Und die Stimmen, dass die Regierung nicht nur im Fernsehen
ihre Finger im Spiel hatte, werden mehr. Bin Laden applaudierte dem Anschlag
zwar zwei Tage danach, behauptete aber, dass er nichts damit zu tun hatte.
Eine Woche später, wohl nach Rücksprache mit der US-Regierung, nahm er dann
die Schuld auf sich. Die komplette Bin Laden Familie wurde am Tag nach dem
Anschlag aus dem Lande geflogen. Die einzigen Flugzeuge, die in der Luft
sein durften, waren die Bin Laden Flieger.
Dass die Bushs und Bin Ladens langjährige Freunde sind, ist allgemein
bekannt. Und gefasst wurde Osama planmäßig natürlich auch nicht. Freunde
fängt man nicht einfach ein. Fast alle Terroristen kamen übrigens aus
Saudi-Arabien. Die restlichen kamen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Und den Emiraten wollte Bush vor nicht allzu langer Zeit sechs der US-Häfen
übergeben. Seltsam. Über einen Mangel an Dankbarkeit können sich Bushs
Freunde wirklich nicht beklagen. Aber Dankbarkeit wofür? Ein Schuft, wer
Böses dabei denkt.
Meine fellow Americans jedenfalls nicht. Und dafür muss ich ihnen meinen
Respekt zollen. Der Durchschnittsamerikaner kann sich einfach nicht
vorstellen, dass ein US-Präsident so viel Böses anrichten kann. Und das ist
einer der Gründe, warum ich Amerika so liebe.
*Dr. ALEXANDER HAST gehörte Anfang der 80er-Jahre dem Redaktionsteam der neu
gegründeten EIFEL-PRESSE mit Sitz in Blankenheim/NRW an. Von daher stammen
die Verbindungen zum Chefredakteur dieser Online-Zeitung, der als
Redaktionsleiter in der Eifel tätig war. Nach mehreren erfolgreichen
Intermezzi bei anderen Blättern wanderte Alexander Hast ins Land seiner
Träume, nach Amerika, aus, wo er sich eine Existenz als Journalist und
Berufsmusiker aufbaute. Erfreulicherweise will sich der Kollege hin und
wieder aus den Staaten zu Wort melden. Herzlichen Dank! |